2. Oktober 2014

Egoistisch oder gesund?

Soweit ich zurück denken kann war mein Berufswunsch eigentlich immer der gleiche. 
„Ich mache mal was mit Menschen“ 
In der neunten Klasse der Realschule habe ich das zweiwöchige Berufspraktikum in den Husumer Werkstätten gemacht.
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Ich musste gerade feststellen, dass ich nach zwei Jahren Berufspause raus bin.
Die Husumer Werkstätten ist eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. 
Um mich politisch auch korrekt auszudrücken habe ich mir die Seite von den Werkstätten gerade kurz angeschaut.

Wir bieten Menschen mit wesentlicher Behinderung einen Arbeitsplatz, der ihren Wünschen und Möglichkeiten entspricht, damit sie mit Freude zur Arbeit kommen.

Ok, ich bin wohl raus aus der Nummer. Wesentliche Behinderung?
Diese neue Umschreibung/Beschreibung ist an mir vorbei gegangen.

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Nach diesem Praktikum war mir auf jeden Fall klar: 
„Ich möchte gerne mit Menschen mit Behinderungen arbeiten“

Ich muss damals übrigens sehr vernünftig gewesen sein, denn ich weiß, dass ich das zweite Praktikum (die neunte Klasse wurde wiederholt) in der Husumer Krankenhausverwaltung gemacht habe um mir etwas ganz anderes ansehen zu können. 
Ich fand es soooo langweilig. Ein Büro mit Akten, das war definitiv nicht meins. 

Also stand für mich fest, Menschen, mit denen muss ich zusammen sein und arbeiten.

Also: Ausbildung zur ehrenamtlichen Jugendgruppenleiterin, Realschulabschluss, zwei Jahre sozialpädagogische Assistentin, drei Jahre Erzieherin. 
Nebenbei natürlich immer Mädchen, Kinder-und Jugendarbeit gemacht. 
Nach zwei Jahren als angestellte Erzieherin brauchte ich einen Cut.

Job gekündigt, Wohnung gekündigt, Auto verkauft und meine Möbel bei Oma untergestellt. „Ich bin dann mal weg“
Nach knapp 1 ½ Jahren in Spanien bin ich zurück gekommen. 

So wie es geplant war, denn ich wollte unbedingt endlich die Zusatzausbildung zur Heilpädagogin machen um mit Menschen mit Behinderungen arbeiten zu können. 
Zwei Jahre habe ich dann als Heilpädagogin gearbeitet.

Nun fragt man sich doch…Sie hat doch das erreicht, was sie immer wollte. 
In diesem Jahr, 2014 frage ich mich das erste Mal, ob das wirklich das ist was ich weiter machen möchte, bzw. kann. 
Ich da sein für andere Menschen? Helfen? Ich brauche doch gerade selber Hilfe. 

Großer Aufschrei…
“Acht Jahre hast du darauf hin gearbeitet das zu sein was du immer wolltest. 
Hast Schulden gemacht für deine Ausbildungen. 
Und nun möchtest du nicht mehr als Heilpädagogin arbeiten?“

Ihr könnt mir glauben, all diese Fragen habe ich mir schon so oft gestellt, 
doch noch nie so ehrlich wie jetzt. 
Ich möchte, dass es mir besser geht und ich frage mich ob eine berufliche Umorientierung vielleicht eine Chance wäre. 
Ich habe das Gefühl für die Arbeit mit Menschen die Unterstützung benötigen momentan nicht genügend Kraft zu haben. 
Und ist es dann nicht besser so ehrlich zu sein es zuzugeben?

Es war halt immer so. Punkt. Hanna engagiert sich für andere.


Ich glaube dieses Mal muss ich mich für mich engagieren. 
Ist das egoistisch? Oder gesund?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gesund egoistisch. Mir hat es sehr geholfen, nicht mehr zu helfen.

Anonym hat gesagt…

Ich finde Egoismus setzt voraus, dass man anderen mit seinem Verhalten schadet und das ist ja nicht der Fall!