1. Februar 2015

Ein kleiner Teil den ich akzeptiert habe

"Wie sehen Sie eigentlich ihre Depression? 
Wie sehen Sie sich in Bezug auf ihre Depression? "

Diese Frage hat mir in der letzten Stunde meine Gesprächstherapeutin gestellt.

Da fing mein Kopf sofort an zu arbeiten.

Früher habe ich die Depression, oder eher gesagt die depressiven Phasen als einen (meinen) Feind angesehen. 
Etwas dunkles und böses, das mich einnimmt und bestimmt.
Sie zerstört alles um mich herum und will das ich allein bin.
Ich soll klein, schwach, leise und zusammengekauert in einer Ecke liegen und bloß keinen Muck's von mir geben!

Sie hat mein Leben bestimmt.
Ich habe mich ihr vollkommen hingegeben, denn gegen so eine große Macht hatte ich keine Chance, niemals.
Ihr Ziel war es mich zu zerstören und am leben zu hindern, bzw. mein Leben zu beenden.

Sie hat mir so vieles genommen.
Ich habe oft die Freude, den Mut und den Lebenswillen verloren.
Doch vor allem hat sie mir eins genommen,
was ich ihr bis heute wirklich übel nehme - meine Freunde.

Und wie sehe ich sie heute? In genau diesem Moment?

Ich habe sie mit den Jahren kennen gelernt und weiß nun besser mit ihr umzugehen.

Ich möchte nicht bestreiten, dass sie immer noch in der Lage ist  mich und mein Leben durcheinander zu bringen. Sie hat es mir im letzten Jahr ohne jeden Zweifel bewiesen! 
Das Gefühl, dass sich dieser Zustand nie, aber auch wirklich niemals wieder ändern wird war da und ich war davon überzeugt, das es das war!

Jetzt kommt aber das große ABER:
Ich lebe jetzt mit ihr.
Ich habe sie akzeptiert.
Sie angenommen.
Sie ist ein Teil von mir.

Und das möchte ich immer wieder betonen!
Ich BIN nicht die Depression! 
Ich bestehe nicht nur aus ihr!

Ich habe mir während meines Klinikaufenthaltes im letzten Jahr viele Gedanken über dieses Thema gemacht. Und ich habe versucht meine Gedanken - meine Entwicklung- einmal zu verbildlichen um es vielleicht verständlicher zu machen:


Ich hatte oft das Gefühl, wie oben mit den beiden gleich großen Kreisen dargestellt, mit der Depression gleichgestellt zu sein. Sie und ich waren gleich, also eins.

Doch ich habe eins in den letzten Jahren gelernt, ich bin so vieles mehr!
Ich bin Hanna und habe viele verschiedene Fassetten: 

Ich bin fürsorglich, mutig, neugierig, stark,... (und bestimmt noch vieles mehr)
Und ein kleiner Teil von mir ist in bestimmten Phasen meines Lebens depressiv. 

Und diesen Teil habe ich akzeptiert. 
Und das macht es leichter mit ihr umzugehen und an ihr zu arbeiten.












Kommentare:

Magda hat gesagt…

Das ist so ein wahnsinnig großer Fortschritt den du da gemacht hast! Ich denke, wenn man das erkannt hat und sich der Depression nicht einfach ausliefert, kann man wirklich gut mit ihr leben.
Liebe Grüße,
Magda

Hanna hat gesagt…

Liebe Magda,
vielen Dank!
Und du hast Recht, ich kann mit ihr leben und vor allem mit ihr arbeiten.
Das ist etwas wofür ich gerade sehr dankbar bin.
Herzliche Grüße aus Lübeck